Szenografans

Für Fans der Szenografie.

Carl-Frank Westermann von WESOUND

Spätestens als er die Besucher des ISM’12 dazu brachte, die Augen zu schließen und ganz genau hinzuhören, hatte er alle mit seiner Faszination für Klänge und Sounds angesteckt. Mit Szenografans spricht der Soundexperte von WESOUND und ehemalige Musiker über die Bedeutung von Sound in der Szenografie, die Gefahr der „Audiopollution“,  und die Klangästhetik von Mikrowellen.

Du wurdest als einziger Sound-Spezialist hier zum ISM eingeladen, was denkst du, warum?

Die Szenografie ist explizit eine interdisziplinäre Disziplin. Als Sound-Spezialist weiß ich wohl zu schätzen, dass hier auf dem Festival auch durch mein Mitwirken bestätigt wird, dass sich Sound als Disziplin noch nicht genügend in der Szenografie wiederfindet. Mit Sound meine ich dabei, Vertonung jeglicher Art mit dem Anspruch, dass diese Bedeutung enthält und nicht nur als Konfekt und Beiwerk dient.

WESOUND sorgt dafür, dass Marken/Produkte auditiv erlebt werden. Zunächst denkt man da an Werbespots im TV oder Radio. In welchen Medien kommt Sound noch zum Tragen? Und wo wird er uns in Zukunft mehr begegnen?

Unser Standpunkt bei WESOUND ist, dass Sound generell in allen Facetten des Er-Lebens auf unserem Planeten immer eine Bedeutung hat. Diese spielt in der Mikro- wie Makrobetrachtung eine wichtige Rolle. Ein kurzer flüchtiger Funktionsklang trägt ebenso Bedeutung, wie eine Telefonschleife in sich. Oder ein Radio-Jingle oder der Sound eines Elektromobils im Innenraum – sowie nach außen, haben nur dann ihre Berechtigung, wenn wenigstens die Absicht ihrer Funktion und Botschaft auditiv angemessen transportiert werden. Hierzu könnte man jetzt unendlich lange ausholen…

Als ehemaliger Musiker (der Band Fehlfarben) und Marken-Spezialist besitzt du eine ausgeprägte auditive Aufmerksamkeit. Könnte es sein, dass andere Leute nicht sensibel genug sind, akustische Kommunikation zu verstehen?

Wahrnehmung geschieht sekündlich bei jedem Menschen. Und alles, was wir hören beeinflusst unsere Stimmung und damit unser Verhalten, ganz gleich ob Musiker oder Nicht-Musiker etc. Erstere sind in der Tat vermeintlich sensibler in der Nuancierung von Sound-Wahrnehmung. Aber auch das will erstmal gelernt sein.

Die Gefahr, eine Kakophonie aus Klängen zu erzeugen, ist doch größer als ein paar Farben falsch zu kombinieren, oder? Worauf muss ein Sound-Designer besonders achten?

Vorweggenommen, ich glaube beide Mischungen in minderer Qualität verursachen unüberseh- wie unüberhörbaren Schaden. Denn vieles, was wir sehen oder hören müssen, ist nicht wirklich anspruchsvoll gestaltet. Dennoch hast du völlig recht. Ein Sound Designer übernimmt mit dem, was er den Ohren dieser Welt liefert, einen Teil der Verantwortung von akustischer Müllvermeidung, „Audiopollution” also, die sich zweifelsohne immer mehr ausbreitet. Dies zu verhindern, ist ein Beratungs-Anspruch von WESOUND. Zu unterscheiden, was Klangmüll ist oder nicht, bedarf teilweise großer Anstrengungen hinsichtlich Konzentration und Anspruchshaltung in Gesprächen mit Kunden.

In deinem Vortrag sagtest du, WESOUND forscht zu einem Projekt der „Akustischen Kamera“. Wo wird sie bereits eingesetzt? Und was ermöglicht diese Technik für die Entwicklung unserer akustischen Umgebung in Zukunft?

Die Akustische Kamera, entwickelt in Berlin gibt es seit einiger Zeit. Ihr angedockt wurde ein Forschungsprojekt, welches zu Evaluation und zur Aussagen-Anreicherung derselben führen soll. WESOUND kümmert sich dabei um Aussagen zur Qualität von Sound hinsichtlich seiner Zweckbestimmung. Ein einfaches Beispiel: Klingen die Funktionsklänge einer Mikrowelle funktionsgerecht und stellt deren Klangästhetik einen Bezug zur Wertigkeit des Gerätes her. Sprich, klingen die Funktionsklänge bei einer hochpreisigen Mikrowelle „billig”, stimmt etwas nicht.

Gibt es Blogs / Seiten, die dich im Netz zum Thema Sound inspirieren?

http://www.hear-the-world.com ist eine Plattform , die mir gefällt. Sponsored by Phonak.
Ansonsten findet man auf dem WESOUND Blog vieles an Anregungen.
http://blog.wesound.de/

Interview: Lea Mirbach 11/2012

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Ein Kommentar zu “Carl-Frank Westermann von WESOUND

  1. Pingback: International Scenographers’ Meeting | WESOUND

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20/11/2012 von in Interviews, Sounddesign und getaggt mit , , , .
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